Marszeichnungen von der Opposition 2005

Der Rote Planet
mit 4 Zoll, Bleistift und Papier

festgehalten vom
Mainzelmann

 

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Die Bedingungen sind von meinem (Balkon-) Beobachtungsplatz hier in Wiesloch insofern ziemlich unterirdisch, als dass sich rundum viel bebautes Gebiet befindet und das Seeing frühestens gegen Mitternacht erträglich wird. Da man aber auch vor einer Opposition beobachten kann konnten jedoch die frühen Morgenstunden genutzt werden und gelegentlich hielt sich die Luftunruhe in erträglichen Grenzen, so dass es doch wieder eine Reihe von Zeichnungen gibt. Und meine Freundin hat sich inzwischen auch dran gewöhnt... Nach der Opposition rückten die möglichen Beobachtungsstunden leider rasch in den Bereich unmöglichen Seeings ab, so dass es ab einem gewissen Zeitpunkt keinen Sinn mehr machen wird, das Fernrohr nach draussen zu tragen.

Was mich etwas wundert ist, dass die Bildzeitung diesmal (noch) nicht Lunte gerochen hat. Letztes Mal war "Sex-Alarm". Und diesmal? Kein Sex?

In der Tabelle kommt immer ein heftig nachbearbeiteter Scan der Zeichnung und zum Vergleich die Simulation mit Mars Previewer II. Bei der Nachbearbeitung am Computer wird für halbwegs gleiche Größe und Orientierung gesorgt und das Bild mit Farbe, Gamma, Weichzeichner usw. getunt. Inaltlich wird bei der Nachbearbeitung nix verändert! Daneben werden die jeweiligen Beobachtungsbedinungungen beschrieben. Auch das ganze andere Zeugs, dass ich gerne zu meinen Zeichnungen dazuschreibe wird deutlich abgesetzt, aber ungefiltert hier wiedergegeben.

Zeichnung Simulation

11.11.2005

Zeit23:58 - 00:08
SeeingR = 5
Durchsichtkeine Angabe
Wetterkeine Angabe
Instrument4" f/9, 6mm = 153x
Orangefilter und Baader-Kontrastfilter im Zenitprisma
Durchmesser19,5 arcsec
Phase1,0
Zentralmeridian79,5°
Simulation23:58 TZ=-1

O-Ton: "Wirklich crudes Seeing. Mühsam und mit einem guten Maß an Überwindung..."

Mehr stand da wirklich nicht. Sonst bin ich doch auch nicht so maulfaul. Aber es war wohl eher die Einsicht, dass ich ab jetzt die Bedingungen wohl nehmen muss, wie sie sind, wenn überhaupt noch eine Zeichnung entstehen soll. Weiter get's dann erst in zwei Jahren, aber da wird das Marsscheibchen viel kleiner sein (14" statt 20") und so richtig lecker (25") wird's erst in zehn Jaren wieder. Und dazwischen gibt's wohl auch noch Tiefststände :-(

Zeichnung Simulation

9.11.2005

Zeit23:40 - 00:00
SeeingR = 2
Durchsichtkeine Angabe
Wetterkeine Angabe
Instrument4" f/9, 6mm = 153x
Orangefilter und Baader-Kontrastfilter im Zenitprisma
Durchmesser19,7 arcsec
Phase1,0
Zentralmeridian95°
Simulation00:50 TZ=-1

Da war etwas Überwindung dabei am Anfang. Aber die Aussicht, dass bald erst mal nix mehr sein wird, beflügelt. ... Mit einem winzigen Wiederaufnahmeverfahrn mit Hilfe eines 4mm Okulars ohne Orangefilter. Und der Feststellung, dass heute 4mm durchaus drin gewesen wäre. Der abschliessende Blick aufs Ergenis war dann einfach umwerfend.

Zeichnung Simulation

7.11.2005

Zeit00:45 - 01:00
SeeingR = 3 - 4
kurzwellig
Durchsichtkeine Angabe
Wetterkeine Angabe
Instrument4" f/9, 6mm = 153x
Orangefilter und Baader-Kontrastfilter im Zenitprisma
Durchmesser19,9 arcsec
Phase1,0
Zentralmeridian136°
Simulation00:50 TZ=-1

Auffällig waren die hellen Flecken am rechten Rand bei 10 Uhr. Zum ersten Mal dieses Jahr die Polkappe wahrgenommen. Dunkler Bereich deutlich zweigeteilt. Darunter leichter Bogen.

Leider erkennt man ganz deutlich, dass ich die Zeichnungen vom 7.-11.11. auf einen Rutsch gescannt und bearbeitet habe. Und die vom 16., 27. und 28.10. jeweils einzeln. In der Summe gefällt mir aber dann doch weniger Bearbeitung besser: Farbscan mit 300 dpi, schneiden, leichten bräunlich-orange-Ton geben, keine weiteren Filter anwenden, Scheibchengrösse 150 x 150, Rand 25 auf allen Seiten, Umgebung schwarz fluten mit Toleranz um die 30 oder so. Und die Simulation auch nicht grossartig rotieren, sondern nur gespiegelt, um das Zenitprisma zu simulieren.

Zeichnung Simulation

28.10.2005

Zeit04:40 - 05:03
SeeingR = 2 - 4
viel langwelliger Anteil
Durchsichtkeine Angabe
Wetterkeine Angabe
Instrument4" f/9, 6mm = 153x
Orangefilter und Baader-Kontrastfilter gestackt im Zenitprisma
Durchmesser20,1 arcsec
Phase99%
Zentralmeridian268°
Simulation04:50 TZ=-2

Digifolto Die besten Bedingungen bisher. Schlicht traumhaft! (Danach habe ich übrigens am viel tiefer stehenden Mond Seeing 3 - 4 gehabt, aber wieder mittel- bis langwellig.) Blöderweise habe ich die Zeichnung von rechts nach links entwickelt. Die Rotation war aber schon nach einer Viertelstunde deutlich und nahm mir daher das Detail links weg (weil ich ja immer von einer groben Version der Helligkeitsverteilung ausgehe, die dass verfeinert und ausdetailliert wird). O-Ton: Daher muss ich jetzt aufhören, Detail aufzunehmen. Sonst wird's schlechter. Interessanterweise war gerade Syrtis major schlecht in ihrer Form zu erfassen. Man bemerke aber, was da alles abgebildet ist... Zum Spass hab ich in die Simulation mal links unten eine Quadratbogensekunde als weisses Kästchen eingefügt.

Das war wieder so eine Gelegenheit, wo man nach getanem Werk gut gekühlt ins Zimmer zurückgeht und ganz genau weiss, warum man nachts um Uhr aufgestanden ist. Mir fehlen die Worte. Grosse Gefühle halt.

Hier beiliegend übrigens mein erster Versuch eines Marsfotos. Eigentlich wollte ich noch ein paar rasche Mondfotos machen. Und mit einem gewissen Übermut hab ich dann wie üblich einfach die Digiknipse ans Okular gekalten und klick... Erstaunlich. Die Nachbearbeitung war allerdings heftig bis grenzwertig. Wenn sonst Mond- oder Planetenfotos so stark geknetet werden, bin ich der erste, der was von totbearbeitet erzählt. Aber es sieht mir nicht nach Artefakten aus, wenn ich mir die Zeichnung ansehe...

<seufz> Wenn jetzt noch was von der Opposition zu erwarten wäre (was es nicht ist, weil das Seeing noch zu schlecht ist, bis der Mars richtig hoch steht), würde ich's glatt doch mal mit einer Webcam versuchen. </seufz>

Zeichnung Simulation

27.10.2005

Zeit00:45 - 01:27
SeeingR = 5 und schlechter
Durchsichtkeine Angabe
Wetterkeine Angabe
Instrument4" f/9, 6mm = 153x
Orangefilter und Baader-Kontrastfilter gestackt im Zenitprisma
Durchmesser20,1 arcsec
Phase99%
Zentralmeridian233°
Simulation01:00 TZ=-2

Wenige und viel zu kurze Intervalle mit R=2 dabei. Hat nicht gereicht, um das Detail eimzufangen. Auffällig waren heute die vielen ungewöhnlich hellen Regionen.

Im Nachhinein betrachtet: Was da gezeichnet ist, stand crisp im Okular. Gekocht durch's Seeing, aber definitiv so wie abgebildet. Wie das jetzt zur Simulation passt, dass erkläre mir einer...

Zeichnung Simulation

16.10.2005

Zeit05:50 - 06:22
SeeingR = 4
mit bemerkenswerten Momenten
Durchsicht3
Wetterkeine Angabe
Instrument4" f/9, 6mm = 153x
Baader-Kontrastfilter im Zenitprisma
Durchmesser19,5 arcsec
Phase97%
Zentralmeridian45°
Simulation06:05 TZ=-2

Ab 05:20 aufgebaut. Meine Güte, war der Anfang eine Qual. Bis das Rohr erstmal stand. Dann war das Okular so niedrig, dass ich das Stühlcen durch die Werkzeugkiste ersetzen musste. Und als es endlich vollbracht war, wollten nur rohe flecken zu Papier fliessen. Die Zeichnung ist dann schliesslich wie eine Art Integral über die Zeit geworden. Erstaunlich - nach den ersten paar Flecken auf dem Papier hätte ich es fast geschmissen. Im Laufe der Zeit gab es ein paar ganz erstaunliche Momente, in denen die Luft stillsaß. Dann habe ich ganz schnell was aufgenommen, zu Papier gebracht, aber der prüfende Blick ins Okular (ob das Gezeichnete sich auch mit der Realität deckt) ging ins Leere, weil schon wieder R=4 zuschlug. Aber vom Ergebnis war ich dann doch geplättet. Insbesondere im Vergleich mit der Simulation. Man erinnere sich daran: Da sind nur vier Zoll (also 1,2" Auflösung nach Dawes) am Werk...

Etwas lustiges am Rande: Die Simulation mit Mars Previewer II, die ich erst auf dem Schirm hatte, konnte ich nicht recht mit der Wahrnehmung zur Deckung bringen. Originalnotiz: Die Zeichnung entspricht besser dem, was MP2 für 5 Uhr ausspuckt. O tempore, o zores: Es war Sommerzeit! Aber das ist mir erst Tage später aufgefallen...

Und wem das jetzt gefallen hat, der ist herzlich eingeladen, es auch einmal zu versuchen. Der Weg vom leeren Blatt Papier und dem hellen Punkt am Himmel bis zur Darstellung hier wird auf einer eigenen Seite über Material und Zeichentechnik ausführlich beschrieben.